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Willem Brakman in het Duits

Momenteel werkt de Zwitserse vertaler Stephen Stahl uit Zürich aan een Duitse vertaling van Pop op de bank. Een autobiografie (1989) Wij mochten een proeve van zijn vertaling op onze voorpagina plaatsen en kozen het begin van de passage die op bladzijde 25 van het boek begint en die tot onderwerp heeft 'De Noormannen voor Dorestad'.

Im allgemeinen denkt man beim Stichwort "Die Normannen vor Dorestad" an ein Volk, dass die grossen Flüsse hochfuhr, um vor den Umrissen der brennenden Stadt grauenhaft zu posieren. Es ist ein Wandgemälde, dass heute in meinem zur Schule gehenden Gehirn in den tiefen Schichten des mythologischen Humus ruht, so dass wahrhaftig Titanenkräfte vonnöten sind, um dieses Volk vom Meer her die äussere Hafenanlage von Scheveningen hereinfahren zu lassen.

Und doch geschah es. Boender, der Schleusenwärter, sah es geschehen , und es war eines der letzten Gemälde, das er sah, bevor er sich dem schwarzen Wasser des Kanals anvertraute. Die schlanken Kähne legten an Stegen mit aalglatten, algenbewachsenen Planken sehr umständlich, fast lustlosan, so dass es schon zu bemerken war, dass sie eine ansehnliche Reise hinter sich hatten. Danach herrschte Stille, die Stille des Scheveningen von damals, aber nur in einem bestimmten Sinn, denn in die Fischhalle, den nahegelegenen Treffpunkt, rannte ein Knabe, der erzählte, dass die Normannen in ihr Haus eingebrochen wären und seine Mutter am Baum in ihrem Gärtchen aufgeknüpft hätten.

Die Männer, die dort ihr Bier tranken, liessen sich die Geschichte etwa fünfmal wiederholen, dann standen sie auf und gingen hinaus, um die Neuigkeit weiterzuerzählen. So kam es, dass sich bereits viele Menschen am Hafen tummelten, als die Normannen endlich erschienen und sich als ziemlich ungeordneter Haufen am Ufer aufstellten.

Merkwürdige Leute waren das, alles was sie anhatten, war aus Tierfellen verfertigt, inklusive ihrer Mützen. Sie hatten unglaubliche Schnurrbärte, bleiches, langes Haar, und einzelne trugen Helme mit Hörnern. Dass mit ihnen im übrigen nicht zu spassen wäre, war an ihrem Gang abzulesen: immer leicht in den Knien, den Oberkörper nach vorne gebeugt und die Arme krum gehalten, wie das starke Männer so zu tun pfegen, die in der Ferne stampfen und kämpfen. Sie trugen kurze Schwerter überm Hintern, dazu noch Keulen und Speere. Beim Fischentlad schlugen sie ihr Lager auf, traten die Türen ein, schleppten einige Kisten Fisch hin und her und begannen routiniert am offenen Feuer zu braten.

Die Nacht brach herein, das Feuer flackerte gespenstisch, der herrliche Geruch gebratenen Fischs vermischte sich mit einem Himmel, dunkelblau und sternbehangen, am Rande standen zahlreiche Scheveninger, die sich - einem alten, vergilbten Instinkt folgend - mit Messern und Äxten bewaffnet hatten. Ab und zu erstarrte einer der Krieger in einer theatralen Pose und stellte nach, was in den Bilderbüchern alles zu finden war, sonst geschah nichts. Nur ein einziger Zwischenfall, ein Alter, der dachte, die vielen Jahre, die er auf dem Buckel hatte, sein rührselig debiles Gehabe und seine Zitterhände würden ihm ausreichend Schutz bieten, wagte sich bis nahe ans Feuer vor, um alles gut wahrzunehmen und dann bis an sein Sterbensseufzerchen davon zu erzählen. Er erhielt einen Faustschlag, dass ihm das Blut aus beiden Ohren schoss und landete am Rande des Lichtkreises, wo er bewegungslos liegenblieb. Es war ein jämmerlicher Anblick, das grau bestoppelte Haupt, das von nichts mehr wusste, die geflochtenen Beinchen und der verdrehte Arm.

In der Nacht begann es zu schneien. Es fiel eine dicke Schneedecke herab, so dass am Morgen die Überbleibsel am Fischentlad recht vage und fremd anmuteten. Zwar waren verkohlte Bretter zu sehen, Fischreste, schiefgeschlagene Kisten und der tote Alte, aber es war wie ein dünnes, entferntes Sausen, als ob am Rande des Schlafs die Welt still entzweifiel, in ein Weitweg und ein Ganznah.

Man bildete eine kleine Kommission, die sich zur Julianakirche begab, um einiges mit dem Pfarrer zu besprechen. Dort stiegen sie im Kirchturm bis zu einem Fenster, durch welches sie sehen konnten, wie, sich gegen die dunkle Winterluft abzeichnend, eine rote Glut über den Wäldchen van Poot hing und wokenhaft in Richtung See wegtrieb.

"Es wird noch mehr Schnee geben", sagte der Pfarrer kopfschüttelnd und, als ob das eine unausweichlich mit dem andern zusammenhinge, bot er den Herren unten im hübschen Vorzimmer Kaffee an, ein beunruhigendes Tässchen, bei dem alles zerredet wurde, weshalb die Kommission mit langen Gesichtern den Rückzug antratt.

"Gott mit euch", rief der Pfarrer ihnen noch nach, ein dünner, geradezu toter Klang inmitten so viel Schnees. "Seid getrost, er ist euer guter Führer", fügte er noch hinzu und schloss die schwere, grüne Tür.

Die Scheveninger bezogen einen Posten gegenüber dem Geschäft des Herrn Jamin, so dass sie die Houtrustbrücke, den Nieboerweg, wenigstens den ansteigenden Teil desselben, und die Tesselstrasse bis hin zum Platz überblicken konnten. Ein wahrlich strategischer Punkt, der manchen Feind nachdenklich gestimmt hätte, aber dennoch erschien auf dem Westduinweg weit hinter der Houtrustbrücke, allmählich ein träge schlängelnder Tross. Es schienen andere Leute als am Vortag, es waren auch einige Reiter hinzugekommen, die Vieh vor sich hertrieben. Sie waren vorne hellblau und von ihren Schultern flatterten rote Mäntel. Ein Gemälde voller Kummer, aber einprägsam und prächtig in den Farben, so dass ein alter Herr, der einen Hut trug, und zwar noch einen Homburg alter Machart (eingerollter Rand und ein Band mit deutlichem, mattglänzendem Webmuster), den Anblick sichtlich genoss.

Von der Stelle aus, an der er stand, am Eingang der Julianakirche, konnte man auch einiges sehen, und zwar gut. Kleine, isolierte Genremalereien, fein und sorgsam gepinselt, Leinwand reihte sich an Leinwand: ein geplündertes Haus, das in Flammen stand, und kleine Figuren darumherum, die ihre Ärmchen in die Höhe streckten, die Ermordung der Kommission, in Altgelb gehalten, mit hübsch und rhythmisch aufgetragenen roten Farbakzenten, hier und dort ein sich bäumendes Pferd. Eigenartigerweise auch ein paar tanzende Kinder unter vereinzelten Laternen, die man in einen Baum gehängt hatte, und ein karierter Zwerg, der die Fiedel strich. Dies alles lässt fast vergessen, dass aus den Wäldchen rohe Leute auftauchten, die den strategischen Posten in die Dünen jagten. Den Schrecken in den Augen, versuchten sie noch über die Zeezwaluwstrasse ins Dorf zu rennen, aber sie wurden von Wurfäxten eingeholt, die sich in die Köpfe senkten, dass es knallte.

Ein leises Wehklagen wurde nun vernehmbar, es kam aus allen Richtungen, denn in jeder Strasse geschah wohl etwas, aber was vor allem wichtig war, war die Tatsache, dass sich, kaum wahrnehmbar, das Licht veränderte. Es legte sich ein hellbrauner Flor über alles, das kam sicherlich durch die Tageszeit, den vorüberziehenden Rauch, den Abglanz des roten Scheins an der niedrigen Winterluft. Alles in allem war es die Farbe von Wirtskammerfirnis und bei solchem Licht ist mehr möglich. So gab es plötzlich Personen, die sich offenbar die ganze Zeit über versteckt gehalten hatten und jetzt ans fremde Licht traten: Küfer, Kerzenmacher, Schmiede und Mönche, die ihrerseits wiederum mehr möglich machten. Wie unvermeidlich aufgerufen, erschien ineins ein Priester, bedeckt mit Gold wie ein Gott und eine Rembrandmitra auf, dem auf höchst eigenartige Weise die Kehle durchgeschnitten wurde. Ein Normanne hielt ihn mit der einen Hand an der Nase, zierlich mit Daumen und Zeigefinger, und bog, während er tief schnitt, auf den äussersten Spitzen seiner Zehen seinen Körper so rund wie möglich weg, um nur nicht durch den spritzenden Strahl besudelt zu werden.

Eine eigenartige Logik flocht sich in die Dinge, ein rätselhafter Zusammenhang in Sinne von "wenn dies, ... dann jenes". Wenn der Fisch gebraten, der Alte getötet und die Drachenschiffe vertäut sind, dann beginnen die Frauen zu weinen, noch lange bevor sich die Soldaten an Mann und Kindern vergriffen haben. Ein typisches Beispiel hierfür war ein Hausvater, der sich ohne ersichtlichen Anlass auf die Knie warf und nichts weniger tat, als seinen langen Hals anzubieten. Es war einem vorübergehenden Nordländer anzusehen, dass er sich einen Moment lang kaum zu erinnern vermochte, was in diesem Zusammenhang von ihm erwartet wurde, bevor er ihm den Schädel bis zum Brustbein spaltete. An dem Stück Rauchschinken, dass ihm aus dem Mund hing, war zu sehen, dass er den Tatsachen hinterherhinkte. Tief nachdenklich stemmte er den Spitz seines Schwertes gegen die Strassensteine, um es wie einen Schlagbalken herauszuziehen und -zudrücken. Erst als sein Opfer zur Seite rollte, begann er zu kauen und war wieder unter den Dingen zuhause.

Allmählich zeichneten sich einzelne klare Linien ab: durch die Tesselstrasse, entlang der jetzt totstillen Kirche ging es zum Platz, wo die Drogerie in Flammen aufging, die Leihbibiliothek jedoch verschont wurde. Schlecht erging es Metzgermeister De Groot mit seinen goldenen Zähnen, er wurde an einer Achsel an einem seiner Haken aufgehängt, wo er bis zum Abend zappelnd und brüllend zwischen seine halben Schweinen und Rindern hing.

Der Weg zur Schule war frei, aber da man getrennt vorrücken wollte, um gemeinsam zuzuschlagen, zog ein Teil der Truppen durch die Bevelandstrasse zur Tholenstrasse, und kam also an der römischen Schule vorbei. Was dort geschah, ist ein Schandfleck inmitten dieser historischen Ereignisse, die Kinder liessen die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen und rannten auf die Strasse hinaus, übermütig jolend, damit man sie als Helden wahrnähme. Sie rannten jedoch einem grauenvollen Unheil entgegen, und die Rinnsteine gurgelten und glucksten schon bald von zartem, unschuldigem Blut.

Drinnen, in der stets so düsteren kleinen Schule, geschahen jedoch noch ganz andere Dinge und es ist ein schafsinniger Zug der Geschichte, diese nur in Attributen zu erwähnen. Es war, als ob die hereinstürmenden Hyperboreer sich in einem tieferen Sinne erklärten: heidnisches Gebrüll und die Reinheit des gregorianischen Gesangs zeigten unerwartete Gemeinsamkeiten. Rohe, bockige Neumen und gurrende Gebete spannen sich hinter berstendem Glas wild um- und ineinander, um schliesslich unvermeidlich in einem Urmeer von Habiten durch die Fenster in die Strasse zu fliegen, ebenso weiss flatternd wie schwarz flackernd. Kein anderes Licht lässt sich auf das - zum Zwecke verführten Zurückzurennens mit ausgestreckten Armen - entsetzte und splitternackte Entkommen einiger Schwestern werfen.

Von zwei Seiten angegriffen, war die Schule an Gnade und Ungnade ausgeliefert, und dies nach sorgfältiger, Minute um Minute erfolger Berichterstattung über alles, was seit dem frühen Morgen geschehen war. Alle Hoffnungen ruhten folglich auf dem Schuldiener, Herrn Barnhoorn. Auf normale Art und Weise konnte dieser nicht durch die Tür, die Breite seiner Schultern zwang ihn, sich in jede Räumlichkeit seitwärts hineinzuschieben. Aufgrund seiner beeindruckenden Grösse musste er dabei auch noch den Kopf regelrecht einziehen und etwas in die Knie gehen. Trotz seiner übertriebenen Körpermasse hatte er wohlgeformte Hände, was er noch betonte, indem er an seiner rechten einen grossen, goldenen Ring trug. Seine Finger waren auffallend unversehrt, nirgends verkrüppelt oder abgehackt. Wenn er den kleinen Stapel Post bei Herrn Besteman abholte, war es eine wahre Freude, die zartbesaitete Kraft seiner leicht überstreckten Finger zu sehen , wenn er die Briefe bündelte und aufhob.

Arachaisch war sein Auftreten, wenn das Klassenzimmer geputzt werden musste. Wenn es geschah, geschah es am Ende des Nachmittags, und es war mir als Nachsitzer einmal vergönnt zu sehen, wie er die erste der zweiundreissig nie und nimmer zu hebenden Schulbänke jener Zeit auf seine Schultern lud und an der Tür niedersetzte. Graue Urzeit und Titanen.

Beppie, der seine Kräfte aufgefallen waren, hatte ihn eine Zeit lang verfolgt, als er mittags in die Wälder ging, weil er sich einbildete, verstehen zu können, was die Vögel sagten. Ich weiss davon, denn ich bin ihnen gefolgt, sorge tragend, dass mein Stock nicht tickte, den Hut tief über den Augen und trotz des heissen Sommers in meiner langen, schwarzen Winterjacke.

Bei den Sandhaufen zeigte Beppie ihm alles, mit ihrem eigenartigen Blick, der manchmal an jenen des jüdischen Mädchens erinnerte.
"Ich weiss, dass Du mir folgst", sagte Barnhoorn der Schuldiener, "ich weiss es von den Vögeln."
"Und ich will dass Du mit mir gehst", sagte Beppie mit einem flüchtigen Blick in Richtung der Sträucher, unter denen ich sass, verkrampft niedergekauert, eine Hand am Ohr und meine Brille umgekehrt, so dass mein stärkstes Auge durch das stärkste Glas sah, und indem sie sprach, hob sie ihren Rock bis an ihr Kinn. Sie stand mit dem Rücken zu mir gewendet, die Schlampe.
"Das kannst Du gleich mal wieder runterlassen", sagte Barnhoorn, "interessiert mich nicht."
"Was!" rief Beppie mit einer feuchten Stimme, die ich noch nicht kannte.
"Du hast richtig gehört", sagte Barnhoorn, er drehte sich um Richtung Nieboerweg und spazierte zurück. Seine Gestalt konnte mit der Julianakirche wetteifern, aber er schmierte, ich konnte es nicht anders sehen, und Beppie, die so glatte, kühle, folgsame und feuchte, liess sich aus in schneidender, gallenbittrer Sprache. Es war das erste Mal, dass ich die dunkle Drohung einer verschmähten Frau vernahm. Sogar die Natur um die Sandhaufen schauderte und zitterte, als ob sich unter jedem Gebüsch jemand versteckt hätte, der ganz ausser sich vor Schreck war und dessen Erbeben sich durch die ganze Vegetation fortpflanzte.

Einen so rührseligen, guten Kerl sollte der grosse Erzähler doch wohl verschonen, aber wie ist es denn damit... Er stand in der Türöffnung mit seinem Besen in der einen und einem abgedrehten Tischbein in der anderen Faust, hinter ihm die bleichen Gesichter des Herrn Besteman, der extra seinen verschossenen, billigen Homburg aufgesetzt hatte, und weiter des Herrn Brouwer und des Meisters Verkade, der seinen runden, schwarzen Hut in der Hand hielt. Hinter den Fenstern, die Nasen an die Scheiben gedrückt, rotteten sich die Schüler zusammen: Kees van der Marel mit der grossen Klappe, Zier Pronk, Cor van Ginkel, Marie Keus, Beppie und noch viele andere. Ruhig errichteten die Normannen ihr Feuer, sie schleppten alles heran, was gut brennen mochte, und viel wurde ihnen durch eingeschlagene Fenster angeboten: Hefte, Bücher, Lehrtafeln. Es knisterte und knallte, aber niemand hinter den Fenstern wagte zu jolen oder zu hüpfen.

Danach war die Reihe an Barnhoorn, dem Hoffnungsträger aller, irgendetwas liess ihn plötzlich mit einem Schrei vom Schulplatz aufspringen, ich weiss nicht was. Es geschah dann alles rasend schnell, nach einander oder vor einander, das sei dahingestellt, aber für mich verlor Herr Barnhoorn genau in dem Moment, als er sich breit und mächtig machte und drohend sein Tischbein präsentierte, sein Gesicht. Nichts blieb ihm als ein roter, ovaler Kreis, woraus seine Zunge hing. Er liess sein Tischbein fallen und tollte herum mit schlenkernden Armen - erstaunt oder um den Weg zurückzufinden. Es war ein tragischer Anblick, so ein grosser, starker Mann, völlig verwirrt. Sein Ring wurde ihm abgenommen und es bedurfte nur noch eines Stupsers und er rollte ins Feuer, wo er dermassen wütete, dass die Funken bis in die höchsten Himmel sprangen. Zugleich begann es wieder zu schneien, die Flocken wurden vom Feuer angezogen, dann hinaufgeschleudert, um sich in der bleifarbenen Luft mit Russ und Funken zu vermischen.

"Lass dir dass eine Lehre sein", rief jemand, "nunc pede libero, aus freier Brust, avanti!" Das stiess nicht auf taube Ohren, die Kohorte stürmte hinein, und es ist nur gut, draussen zu bleiben und sich mit einigen Fetzen zu begnügen, die durch die Fenster zu sehen waren, das erspart einem wenigstens das durch Mark und Bein gehende Geschrei. Einen einzigen herausragenden Punkt möchte ich an dieser Stelle noch bemerken, und zwar den Kopf von Kees van der Marel mit der grossen Klappe, welcher die Treppe bei der Turnhalle herunterpurzelte und der auf jeder Stufe einen anderen Gesichsausdruck anzunehmen schien. Selbstverständlich Einbildung und eitler Schein, aber es erweckte dennoch den Eindruck, er hätte noch allerhand zu erzählen.

Ich überspringe das schreckliche Ende der Herren Van Leeuwen, Brouwer und Verkade und auch jenes des Turnlehrers, Herrn Max. Es waren ohne Zweifel gutmeinende Lehrmeister, die auch nichts dafür konnten, dass sie durch Zuflüsterungen vergiftet worden waren, weshalb sie sich hin und wieder an einem völlig unschuldigen Zögling vergriffen. Es sei so, ich bin ihnen nicht böse.

Mit dem Herrn Besteman aber war das eine ganz andere Sache: Während die anderen Lehrer völlig auseinandergenommen wurden, wurde Herr Besteman als Ganzes bis zum Ende aufbewahrt und, bei Zeus, das wusste er.

Selten nur sah ich ein erbärmlicheres Schauspiel, er trat nach vorne wie jemand, der wusste, dass er verloren war, eine halb geöffnete Hand ausgestreckt, die sich langsam schloss und sich mit zwei elegant vorausweisenden Fingern wieder öffnete, wie bei Edelleuten in einem grossen Drama. Sein Rücken war aufrecht wie bei jemandem, der nicht mehr weiss, was er tut, und der Willkür seines Körpers ausgeliefert ist. Das so verhasste Gesicht war weiss, von Angst verzerrt würde ich sagen, jedenfalls maskenhaft, und zum ersten Mal sah ich den dünnen Schnurrbart von so nahe, er war schweissgetränkt, oder sonst hingen funkelnde Glassplitter darin. Seine Blicke flogen panisch über mein Gesicht, vergeblich ein Erbarmen oder etwas dergleichen suchend. Der Moment hätte zweifellos eine bessere Beleuchtung verdient, denn seine Augen, deren ich mich als grüngrau erinnere, waren gänzlich überschattet, doch ich kannte die Scham darin, die Verzweiflung, die Angst vor Schmerz und all diese Dinge. Unerträglich musste ihm mein Blick gewesen sein, mein Gletscherauge, denn, mich aufrichtend, fügte ich mich dem grossen Diktum der Gerechtigkeit, holte weit aus und schlug ihm den Hut vom Kopf! Ich kann es nicht oft genug wiederholen, aber nur Hutträger können dies begreifen, das Geniale, das Abgründige...

Auf dem Nachhauseweg, auf der Höhe des Hauses von Leen Onderwater, der seinerzeit meine Pfadfinderuniform übernahm ohne je einen Cent dafür zu bezahlen, kam mir in den Sinn, dass ich die Erzählung auch wegen des Blicks des jüdischen Mädchens angefangen hatte, deren Name ich vergessen habe. Keine Schuld liess sie in mir auferstehen , eher der Hochmut, dass sie vielleicht in einer weit entfernten und kargen Verlassenheit an mich gedacht haben könnte, aus irgendeinem Grund, der offensichtlich einen tiefen Blick wert war. Wahrscheinlich ist es nicht, aber auch nicht unmöglich, und als solches eine homöopathische Teilnahme an ihrem Los, vielleicht ein Differenzial von Trost. Ich bedaure es aufrichtig, ihren Blick erst so spät beantworten zu können, dem steht gegenüber, dass ich sie aus dem Massaker der Unschuldigen zu retten wusste.

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